Geschichte

Die Cocktails der 1920er: Acht Drinks, die die Bar für immer veränderten

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Die Cocktails der 1920er: Acht Drinks, die die Bar für immer veränderten

Kaum ein Jahrzehnt hat der Cocktailwelt so viel hinterlassen wie die 1920er – und das, obwohl ausgerechnet in den USA, dem Geburtsland des Cocktails, von 1920 bis 1933 Herstellung und Verkauf von Alkohol verboten waren. Die ganze Geschichte dieses Widerspruchs steht in unserem Artikel zur Prohibition-Ära. Hier geht es um das Ergebnis: acht Drinks aus genau diesem Jahrzehnt, die bis heute auf jeder ernstzunehmenden Karte stehen.

Die Formel dahinter ist fast immer dieselbe: wenige Zutaten, präzise Verhältnisse, und eine Geschichte, die irgendwo zwischen New York, Paris, London und Havanna spielt – den Stationen der Barkeeper, die ihr Handwerk aus den USA ins Exil retteten, wie wir im Artikel über Speakeasies beschrieben haben.

Amerika: Cocktails gegen den Mangel

The Last Word. Detroit, 1921, Athletic Club. Vier Zutaten zu exakt gleichen Teilen: Gin, grüner Chartreuse, Maraschino-Likör, Limettensaft. Kein anderer Drink dieser Liste zeigt so deutlich, wie kompromisslos Chartreuse sein kann, wenn er nicht nur würzt, sondern ein volles Viertel des Glases trägt. Der Last Word verschwand nach der Prohibition für Jahrzehnte fast vollständig von den Karten und wurde erst in den 2000er-Jahren von der Craft-Cocktail-Bewegung wiederentdeckt.

Bee's Knees. Der Inbegriff des Prohibition-Tricks: Gin, Honig, Zitronensaft. Schlechter, selbstgebrannter „Bathtub Gin" schmeckte oft kaum trinkbar – Honig und Zitrone kaschierten das zuverlässig. Der Name soll von einem Slangausdruck für „ausgezeichnet" stammen, nicht von der Zutat Honig selbst, auch wenn die Verbindung naheliegt.

Paris: Die Stadt der Exil-Barkeeper

Sidecar. Cognac, Orangenlikör, Zitronensaft zu gleichen Teilen – der Prototyp der ganzen Daisy-Familie. Wo genau er entstand, ist bis heute umstritten: Die Ritz Bar und Harry's New York Bar beanspruchen beide die Urheberschaft, vermutlich Anfang der 1920er-Jahre. Als Sour-Verwandter mit nur drei Zutaten steht und fällt er mit der Qualität des Orangenlikörs – mehr dazu im Sour-Guide.

White Lady. Harry MacElhone experimentierte 1919 noch mit Crème de Menthe, bevor er den Drink 1929 in seiner eigenen Bar, Harry's New York Bar, zur heutigen Gin-Version mit Orangenlikör und Zitrone verfeinerte. Die endgültige Formel fällt damit genau an den Rand des Jahrzehnts, das sie geprägt hat.

Monkey Gland. Ebenfalls aus Harry's New York Bar, benannt nach einer in den 1920ern sensationell populären, heute als Pseudowissenschaft geltenden „Verjüngungstherapie" des Chirurgen Serge Voronoff. Gin, Orangensaft, ein Schuss Grenadine und ein Likör wie Bénédictine oder Absinth je nach Rezeptvariante – ein Name, der mehr über die Schlagzeilen seiner Zeit verrät als über den Geschmack. Mehr kuriose Fälle dieser Art stehen im Artikel Woher Cocktail-Namen kommen.

London: Das Savoy als Thronsaal

Hanky Panky. Erfunden um 1925 von Ada Coleman, der ersten weiblichen Head Bartender der American Bar im Savoy – für den Schauspieler Charles Hawtrey, der nach einem „belebenden" Drink verlangte. Gin, süßer Wermut und ein kräftiger Schuss Fernet-Branca machen daraus einen der bittersten Martini-Verwandten der Cocktailgeschichte.

Corpse Reviver No. 2. Harry Craddock, Colemans Nachfolger am Savoy, veröffentlichte ihn 1930 in seinem „Savoy Cocktail Book" – entwickelt wurde er aber bereits in den 1920ern. Gin, Cointreau, Lillet Blanc und Zitronensaft zu gleichen Teilen, dazu ein Absinth-Rinse. Craddocks eigener Kommentar im Originalrezept bleibt bis heute die treffendste Warnung der Cocktailliteratur: „Vier davon, schnell hintereinander getrunken, werden selbst den Verstorbenen wieder beleben, der zu früh begraben wurde."

Havanna: Die Flucht in die Sonne

Mary Pickford. Benannt nach dem größten Stummfilmstar ihrer Zeit, angeblich während eines Dreh-Aufenthalts in Havanna kreiert – zwischen Hotel Nacional und Floridita wird die genaue Urheberschaft bis heute verhandelt. Weißer Rum, Ananassaft, Grenadine und Maraschino-Likör ergeben einen der wenigen Drinks dieser Liste, die nicht aus Verzweiflung über schlechten Alkohol entstanden, sondern aus der schlichten Verfügbarkeit von gutem kubanischem Rum, während die USA trockenlagen.

Was alle acht gemeinsam haben

Auffällig oft sind es exakte Gleichteiler-Formeln – drei oder vier Zutaten in identischer Menge, ohne komplizierte Verhältnisse. Das war kein Stilmittel, sondern Praktikabilität: einfach zu merken, einfach zu skalieren, einfach in einer Bar zu bauen, die jederzeit schließen musste, bevor die Polizei kam.

Und fast alle landen im selben Glas: der Coupe, flach, elegant, randvoll bis zum Rand – das visuelle Erkennungszeichen der Epoche, lange bevor Martini- oder Rocks-Gläser den Markt dominierten.

Fazit

Acht Drinks, vier Städte, ein einziges Jahrzehnt – und keiner von ihnen ist je ganz von den Karten verschwunden. Das sagt mehr über die Qualität dieser Rezepte als jede Anekdote über Bathtub Gin: Formeln, die so gut sind, dass hundert Jahre Moden daran nichts ändern konnten.

Genuss mit Verantwortung. Alkoholabgabe und -konsum ab 18 Jahren.

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