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Tasting zu Hause: Wie man einen Abend baut, an dem alle etwas lernen

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Tasting zu Hause: Wie man einen Abend baut, an dem alle etwas lernen

Die übliche Variante sieht so aus: Man stellt fünf Flaschen auf den Tisch, schenkt aus, alle nicken anerkennend, und nach dem dritten Glas redet niemand mehr über den Inhalt.

Das ist kein Tasting, das ist ein Abend mit vielen Flaschen. Der Unterschied liegt in einer einzigen Entscheidung: Ein gutes Tasting beantwortet eine Frage.

Welche Frage das ist, bestimmt alles Weitere – und sie macht aus einem Pröbchenabend eine Veranstaltung, bei der auch Gäste ohne Vorwissen etwas mitnehmen.

Drei Formate, die funktionieren

Format 1: Eine Kategorie, mehrere Vertreter.
Vier Gins, vier Rums, vier Wermuts. Die Frage lautet: Wie unterschiedlich kann dieselbe Kategorie schmecken? Das klassische Format, gut geeignet für Einsteiger, weil die Unterschiede groß sind.

Format 2: Ein Drink, eine Variable.
Das lehrreichste Format überhaupt. Man baut denselben Cocktail mehrfach und ändert jeweils genau eine Sache: zwei verschiedene Gins im selben Gin Tonic. Derselbe Daiquiri mit 15 und mit 25 ml Sirup. Derselbe Martini einmal gerührt, einmal geschüttelt.

Hier passiert, was bei Format 1 oft ausbleibt: Die Gäste schmecken tatsächlich einen Unterschied, weil alles andere gleich bleibt. Genau so entwickelt man auch eigene Drinks – siehe Einen eigenen Cocktail entwickeln.

Format 3: Eine Entwicklung.
Ein Drink und seine Verwandten in historischer Reihenfolge – etwa Martinez, Manhattan, Dry Martini. Oder die Negroni-Familie der Reihe nach. Dabei lernt man nicht einzelne Flaschen kennen, sondern ein Prinzip; die Reihen dazu stehen in der Landkarte der Cocktailfamilien.

Die Reihenfolge

Unabhängig vom Format gelten dieselben Regeln wie bei jeder Verkostung:

Von leicht nach kräftig, von niedrigem zu hohem Alkoholgehalt, von trocken nach süß. Wer mit dem intensivsten Produkt beginnt, kann danach nichts mehr beurteilen.

Vier bis sechs Proben, nicht mehr. Danach ermüdet der Gaumen. Lieber weniger Flaschen und länger darüber reden.

Kleine Mengen. Zwei Zentiliter pro Probe reichen völlig – bei sechs Proben sind das sonst schnell mehr, als jemand an einem Abend trinken wollte.

Wasser und neutrales Gebäck auf dem Tisch, von Anfang an.

Alles Weitere zur Technik – Glasform, Temperatur, richtig riechen, Wasser als Werkzeug – steht im Artikel über das Verkosten von Spirituosen.

Blind oder nicht?

Blind ist lehrreicher, und zwar deutlich. Etikett, Preis und Ruf beeinflussen die Wahrnehmung messbar – wer weiß, dass Flasche drei die teuerste ist, schmeckt sie besser.

Praktisch: Flaschen in Papiertüten stecken oder in einen anderen Raum, Gläser nummerieren. Wenn möglich, lässt man jemand anderen einschenken, damit auch der Gastgeber blind probiert.

Rechne damit, dass das Ergebnis Diskussionen auslöst. Genau dafür macht man es.

Bewertung ohne Punktesystem

Zettel und Stifte sind sinnvoll, Punktzahlen eher nicht. Hilfreicher sind drei Fragen pro Probe:

  1. Was riechst du? (ein Wort reicht)
  2. Was schmeckst du?
  3. Würdest du davon ein zweites Glas trinken?

Die dritte Frage ist die ehrlichste. Sie führt oft zu einem anderen Ergebnis als die ersten beiden.

Und ein Tipp: Reihum einen Begriff nennen lassen, bevor diskutiert wird. Sobald jemand „Vanille" sagt, schmecken alle anderen Vanille.

Alle einbeziehen

Der Punkt, der über den Abend entscheidet. In jeder Runde sitzt jemand, der wenig trinkt, fährt oder sich für Spirituosen schlicht nicht interessiert.

Dafür gibt es zwei Lösungen: eine parallele alkoholfreie Reihe – vier Tonics im Vergleich, vier Sirupe, vier Teesorten – oder ein Format, bei dem man nicht viel trinken muss. Beim Riechen kann jeder mitmachen, und oft sind die Beiträge derer am treffendsten, die keine Vorstellung davon haben, was sie „schmecken sollten".

Der Abschluss

Hör nicht mit der letzten Probe auf. Der schönste Abschluss ist ein fertiger Drink aus der Flasche, die am besten abgeschnitten hat – gebaut nach allem, was die Runde gerade gelernt hat.

Das rundet den Abend ab und beantwortet nebenbei die praktische Frage, die nach jedem Tasting im Raum steht: Und was macht man jetzt damit?

Fazit

Ein Tasting braucht keine teuren Flaschen, sondern eine Frage, eine Reihenfolge und Zurückhaltung bei der Anzahl.

Vier Proben, blind, in aufsteigender Intensität, mit Wasser dazwischen – mehr Struktur ist nicht nötig. Und wer einmal erlebt hat, wie unterschiedlich eine Runde dieselbe Flüssigkeit beschreibt, macht es garantiert noch einmal.

Genuss mit Verantwortung. Alkoholabgabe und -konsum ab 18 Jahren.

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