Mixologie

Fizz und Collins: Was passiert, wenn man einen Sour verlängert

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Fizz und Collins: Was passiert, wenn man einen Sour verlängert

In der Landkarte der Cocktailfamilien steht dieser Zweig nur als Nebensatz: ein Sour, der mit Soda aufgefüllt wird. Das klingt nach einer Fußnote und ist in Wahrheit eine der interessantesten Gruppen überhaupt – sie enthält den wohl arbeitsintensivsten Cocktail der Geschichte.

Das Grundprinzip bleibt dabei denkbar einfach: Spirituose, Zitrone, Zucker, Soda.

Fizz oder Collins – wo genau liegt der Unterschied?

Die Zutaten sind praktisch identisch. Unterschiedlich sind Glas, Eis und Menge.

Der Fizz wird geschüttelt, abgeseiht und in ein kleineres Glas gegeben – traditionell ohne Eis im Glas – und dann mit einem Schuss Soda aufgefüllt. Er ist kurz, schaumig, und man trinkt ihn zügig.

Der Collins wird lang gebaut: hohes Glas, voll mit Eis, mit deutlich mehr Soda aufgefüllt. Er ist ein Drink für eine Stunde.

Beim Tom Collins und dem John Collins wird es dann historisch unübersichtlich: Welcher Name zu welcher Spirituose gehört, hat sich im Lauf der Zeit mehrfach verschoben. Heute gilt der Tom Collins in der Regel als der Gin-Vertreter.

Und die Abgrenzung zum Highball? Ein Highball besteht nur aus Spirituose und Filler. Sobald Zitrone und Zucker dazukommen, ist es ein Collins.

Die Fizz-Varianten

Historische Barbücher unterscheiden die Fizz-Familie vor allem danach, was zusätzlich hineinkommt – häufig nach dem Ei:

  • Silver Fizz – mit Eiweiß. Cremiger Schaum, weichere Säure.
  • Golden Fizz – mit Eigelb. Dichter, fast dessertartig.
  • Royal Fizz – mit ganzem Ei.
  • Diamond oder Sparkling Fizz – mit Schaumwein statt Soda.
  • Sloe Gin Fizz – mit Schlehenlikör als Basis, fruchtig und deutlich milder.

Wer mit Eiweiß arbeitet, braucht den Dry Shake – die Technik steht im Sour-Guide, inklusive veganer Alternative.

Der Ramos Gin Fizz

Der berühmteste Vertreter der Familie und einer der aufwendigsten Cocktails überhaupt. Er stammt aus New Orleans, wird einem dortigen Barbetreiber des späten 19. Jahrhunderts zugeschrieben und enthält eine ungewöhnlich lange Zutatenliste: Gin, Zitrone und Limette, Zucker, Sahne, Eiweiß, Orangenblütenwasser – und Soda.

Berühmt ist er aber nicht wegen der Zutaten, sondern wegen der Zubereitung. Um die charakteristische, dichte Schaumkrone zu erzeugen, die aufrecht über dem Glasrand steht, wird er sehr lange geschüttelt. Über die Bar kursiert die Erzählung, sie habe zu Spitzenzeiten eine ganze Reihe von Angestellten beschäftigt, die den Shaker weiterreichten – ob das so stimmt, lässt sich schwer prüfen, aber es beschreibt den Aufwand treffend.

Für zu Hause heißt das: mehrere Minuten schütteln, erst ohne, dann mit Eis. Und dann kommt der Trick, an dem die meisten scheitern.

Die Technik: Wie die Schaumkrone steht

Bei allen Fizzes gilt dasselbe Prinzip, beim Ramos besonders:

  1. Glas vorkühlen. Ein warmes Glas lässt den Schaum sofort zusammenfallen.
  2. Kräftig schütteln. Erst ohne Eis, damit Eiweiß und Sahne emulgieren, dann mit Eis zum Kühlen.
  3. Abseihen und kurz ruhen lassen. Der Schaum setzt sich ab und stabilisiert sich – ein bis zwei Minuten reichen.
  4. Das Soda zuletzt, langsam, in die Mitte. Es wird nicht daraufgegossen, sondern vorsichtig durch den Schaum nach unten geführt. Die aufsteigende Kohlensäure hebt die Schaumdecke an, und sie steigt über den Glasrand.

Und der häufigste Fehler: Fett zerstört Schaum. Ein Glas mit Spülmittelfilm oder Fettresten macht jede Mühe zunichte. Wie man Gläser sauber bekommt, steht im Pflege-Guide.

Der Collins für Gäste

Während der Fizz Handarbeit im Moment verlangt, ist der Collins der praktischere Drink für eine Runde: Man kann die Sour-Basis – Spirituose, Zitrone, Sirup – am selben Tag vorbereiten, kalt stellen und vor Ort nur noch über Eis gießen und mit Soda auffüllen.

Dabei gelten die üblichen Regeln für Filler: eiskalt, kleine Flaschen, vorsichtig eingießen, kaum rühren. Details im Filler-Guide. Genau diese Eigenschaft macht den Collins zu einem verlässlichen Kandidaten für unsere Cocktails für Partys.

Fazit

Fizz und Collins zeigen, wie viel ein einziger Handgriff ausmacht. Derselbe Sour wird durch Soda zu einem völlig anderen Getränk – leichter, länger, geselliger.

Und mit dem Ramos enthält die Familie ausgerechnet den Drink, bei dem sich am deutlichsten zeigt, dass Technik im Glas sichtbar wird. Wenn die Schaumkrone steht, hat man alles richtig gemacht. Wenn nicht, weiß man auch sofort Bescheid.

Genuss mit Verantwortung. Alkoholabgabe und -konsum ab 18 Jahren.

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