Rickey
Richtwert: 5 cl : 2 cl, mit Soda aufgefĂŒllt â gĂ€ngige Praxis, keine verbindliche Norm.
Der Rickey ist der trockenste Longdrink der Cocktailwelt: Spirituose, Limette, Soda, kein Zucker. Genau diese Abwesenheit von SĂŒĂe definiert ihn. Er ist damit ein guter Test fĂŒr die Basisspirituose, weil nichts die Ecken abrundet, und ein interessanter Vorschlag fĂŒr alle, denen ĂŒbliche Longdrinks zu sĂŒĂ sind.
So baust du sie
- 1
Eine halbe Limette direkt ins Glas auspressen und die HĂ€lfte hineingeben
- 2
Spirituose zugeben
- 3
Mit Eis fĂŒllen und mit Soda auffĂŒllen
- 4
Kurz durchziehen
Abgrenzung
Kein Zucker. Sobald Sirup dazukommt, ist es ein Collins.
Varianten
- Gin Rickey
- Whiskey Rickey
Herkunft
Ăberliefert: Der Drink soll Ende des 19. Jahrhunderts in Washington entstanden und nach einem Gast namens Rickey benannt worden sein. Die Zuschreibung ist verbreitet, aber nicht sicher belegt.
Typischer Fehler
Doch Zucker zugeben, weil der Drink ungewohnt herb schmeckt. Damit verliert er seinen Charakter.
Tipp
Der Rickey lebt vollstĂ€ndig von der QualitĂ€t der Basisspirituose. FĂŒr mittelmĂ€Ăigen Gin ist er der falsche Drink.
Technik, GlÀser und Garnituren
Bekannte Klassiker dieser Familie: Gin Rickey â allgemein bekannte Beispiele, keine Referenz auf vorhandene Rezepte auf dieser Seite.
Vertiefung
Der bewusste Verzicht als Konzept
Die meisten Longdrink-Familien definieren sich ĂŒber eine Zutat, die sie hinzufĂŒgen. Der Rickey ist der seltene Fall einer Familie, die sich ĂŒber das definiert, was bewusst weggelassen wird: Zucker. WĂ€hrend der nah verwandte Collins auf genau derselben Formel aufbaut, aber Sirup hinzufĂŒgt, bleibt der Rickey konsequent zuckerfrei und dadurch der trockenste aller klassischen Longdrinks.
Washington statt New Orleans oder New York
Anders als viele andere amerikanische Cocktail-Klassiker, deren Ursprung meist in New Orleans oder New York verortet wird, soll der Rickey der Ăberlieferung nach in Washington, D.C. entstanden sein, benannt nach einem Colonel Joe Rickey, der angeblich seinen Whiskey mit Limette und Soda statt mit SĂŒĂe bevorzugte. Diese Zuschreibung ist historisch nicht restlos gesichert, gilt aber als die verbreitetste ErklĂ€rung fĂŒr den Namen.
Ein Test fĂŒr die Basisspirituose
Weil Zucker in vielen Cocktails auch dazu dient, SchĂ€rfen und Unebenheiten einer Spirituose abzurunden, wirkt der Rickey wie ein Lackmustest: Eine mittelmĂ€Ăige oder scharfe Spirituose lĂ€sst sich in dieser Formel nicht verstecken. Genau deshalb empfehlen erfahrene Barkeeper den Rickey oft, um die tatsĂ€chliche QualitĂ€t eines Gins oder Whiskeys unverfĂ€lscht zu beurteilen, bevor er in komplexeren Rezepten verarbeitet wird.
Warum der Rickey heute seltener auf Karten steht
In einer Zeit, in der viele GĂ€ste sĂŒĂere, zugĂ€nglichere Longdrinks bevorzugen, ist der bewusst herbe Rickey aus den meisten modernen Cocktailkarten weitgehend verschwunden und lebt vor allem in klassisch orientierten Bars sowie unter Kennern trockener Drinks weiter. Diese Nischenposition macht ihn zu einem der unterschĂ€tztesten Vertreter der Longdrink-Kategorie.
Die Grenze zum Collins als Lehrbeispiel
Der Ăbergang zwischen Rickey und Collins verlĂ€uft exakt an einer einzigen Zutat: Sobald Sirup dazukommt, verlĂ€sst der Drink die Rickey-Familie und wird zum Collins. Diese scharfe, klar definierte Grenze macht die beiden Familien zu einem besonders anschaulichen Lehrbeispiel dafĂŒr, wie stark eine einzelne Zutat die Klassifikation eines ganzen Cocktails verschieben kann, obwohl GrundgerĂŒst und Zubereitung fast identisch bleiben.
Warum Soda-QualitÀt hier stÀrker auffÀllt
Weil dem Rickey jede SĂŒĂe fehlt, die geschmackliche Unebenheiten kaschieren könnte, wird auch die QualitĂ€t des verwendeten Sodawassers deutlicher spĂŒrbar als in gesĂŒĂteren Longdrinks. Stark mineralisiertes oder schwach karbonisiertes Soda fĂ€llt hier eher auf, weshalb sich fĂŒr einen ĂŒberzeugenden Rickey frisches, krĂ€ftig sprudelndes Soda besonders lohnt.
