Throwing
Der Drink wird aus einem Gefäß in ein anderes gegossen, wobei er als langer Strahl durch die Luft fällt. Das belüftet ihn stärker als Rühren, aber sanfter als Schütteln, und verdünnt ihn dabei kontrolliert. In spanischen und kubanischen Bars ist die Technik verbreitet, in der modernen Barszene wird sie für Wermut-Drinks wiederentdeckt.
So geht's
- 1
Zutaten mit Eis in ein Gefäß geben
- 2
Mit Strainer in ein zweites, leeres Gefäß abgießen, dabei den Abstand vergrößern
- 3
Zurückgießen und den Vorgang mehrfach wiederholen
- 4
In das vorgekühlte Glas abseihen
Wann du sie anwendest
Bei Drinks, die Belüftung vertragen, aber nicht trüb werden sollen.
Klassisch dafür bekannt: Bloody Mary, Wermut-Cocktails — allgemein bekannte Klassiker, nicht zwingend Rezepte auf dieser Seite.
Typischer Fehler
Zu schnell zu großen Abstand wählen. Erst mit kurzem Abstand üben.
Barkeeper-Tipp
Über der Spüle üben. Die ersten Versuche gehen zuverlässig daneben.
Was du dafür brauchst
Vertiefung
Trabajo Cubano – eine Tradition mit eigenem Namen
In Spanien und Kuba ist das Throwing keine Nischentechnik, sondern eine eigenständige, benannte Handwerkstradition: der „trabajo cubano" oder kubanische Wurf. Barkeeper dort beherrschen es oft, den Drink über beeindruckende Distanzen zwischen zwei Gefäßen fließen zu lassen, teils als reine Show-Einlage bei Wettbewerben, ursprünglich aber als funktionale Zubereitungsmethode für bestimmte Drink-Stile.
Warum Werfen anders wirkt als Schütteln
Beim Schütteln ist der Drink die ganze Zeit in direktem Kontakt mit dem Eis, was zu einer schnellen, intensiven Verdünnung und Abkühlung führt sowie feinste Eissplitter erzeugt, die für die charakteristische leichte Trübung geschüttelter Drinks sorgen. Beim Werfen dagegen verbringt die Flüssigkeit einen Teil der Zeit als freier Strahl in der Luft, komplett getrennt vom Eis. Das belüftet den Drink zwar stärker – ähnlich wie beim Umschenken von Wein zum Dekantieren –, verdünnt ihn aber kontrollierter und sanfter, weil der direkte Eiskontakt kürzer ist als beim Schütteln.
Das Beste aus zwei Welten
Throwing wird deshalb oft als Mittelweg zwischen Rühren und Schütteln beschrieben: Es bringt mehr Textur und Luftigkeit ins Glas als reines Rühren, bleibt dabei aber klarer und weniger stark verdünnt als ein geschüttelter Drink. Diese Eigenschaft macht die Technik besonders interessant für Drinks, die von Belüftung profitieren, aber nicht trüb wirken sollen – etwa reine Wermut- oder Sherry-Cocktails, bei denen Klarheit optisch erwartet wird.
Wiederentdeckung in der modernen Bar
Nachdem die Technik in vielen westlichen Bars über Jahrzehnte in Vergessenheit geraten war, erlebte sie im Zuge der Craft-Cocktail-Bewegung der 2010er-Jahre eine Wiederbelebung, oft im Zusammenhang mit der wachsenden Beliebtheit von Wermut und Sherry als eigenständige Cocktail-Basis statt nur als Beimischung.
Warum Übung wirklich nötig ist
Anders als Rühren oder einfaches Schütteln erfordert Throwing echte motorische Kontrolle: Der Abstand zwischen den Gefäßen muss langsam gesteigert werden, während der Strahl stabil und ohne Verschütten bleibt. Erfahrene Barkeeper empfehlen deshalb ausdrücklich, die ersten Versuche mit Wasser statt echten Zutaten und über der Spüle zu üben – Fehlversuche gehören am Anfang zum Lernprozess dazu.
Warum die Gefäßform mitentscheidet
Für das Werfen eignen sich weit geöffnete Gefäße deutlich besser als schmale, hohe Shaker-Hälften, weil ein größerer Öffnungsdurchmesser den fallenden Flüssigkeitsstrahl leichter auffängt und das Risiko des Verschüttens reduziert. In vielen Bars, die Throwing regelmäßig einsetzen, kommt deshalb statt eines klassischen Boston-Shakers eine breite Metallschale oder ein spezielles Wurfgefäß zum Einsatz, das eigens für diese Bewegung geformt ist und selbst bei größerem Wurfabstand noch zuverlässig auffängt. Für die ersten eigenen Versuche zu Hause reicht aber auch ein gewöhnlicher Boston-Shaker völlig aus, solange der Abstand anfangs klein gehalten wird.