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Bartender werden: Was der Beruf wirklich verlangt

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Bartender werden: Was der Beruf wirklich verlangt

Fast jeder, der ernsthaft anfängt, zu Hause zu mixen, hat den Gedanken irgendwann. Man steht in einer guten Bar, sieht jemandem bei der Arbeit zu und denkt: Das könnte ich auch machen wollen.

Der Gedanke ist berechtigt – es ist einer der wenigen Berufe, in denen Handwerk, Gastgeberrolle und Kreativität zusammenkommen, und in dem man das Ergebnis seiner Arbeit unmittelbar sieht. Nur sieht der Job von der Gästeseite anders aus als von der anderen Seite des Tresens.

Dieser Artikel ist deshalb kein Werbetext. Er beschreibt, was der Beruf tatsächlich verlangt.

Der Weg hinein

In Deutschland gibt es keinen eigenständigen Ausbildungsberuf „Barkeeper". Wer den klassischen Weg gehen will, macht eine gastronomische Ausbildung – etwa im Restaurantfach – und spezialisiert sich später. Daneben existieren private Barschulen und Zertifikatskurse, die Grundlagen kompakt vermitteln.

Der in der Praxis häufigste Weg ist aber ein anderer: der Einstieg als Barback. Das ist die Assistenzrolle hinter dem Tresen – Eis nachfüllen, Gläser polieren, Zitrusfrüchte pressen, Flaschen auffüllen, aufräumen. Man mixt zunächst wenig und lernt dafür alles andere: Abläufe, Tempo, Ordnung, Namen der Flaschen.

Fast alle guten Bartender haben so angefangen. Und wer den Weg abkürzen will, indem er direkt mixen darf, überspringt genau den Teil, in dem man das Handwerk lernt.

Ein Kurs ersetzt das nicht, kann aber der Türöffner sein: Er zeigt einem Betrieb, dass es dir ernst ist.

Was der Alltag wirklich ist

Hier die Punkte, die in keiner Cocktail-Dokumentation vorkommen.

Die Vorbereitung ist der größere Teil. Bevor der erste Gast kommt, sind Stunden vergangen: Sirupe ansetzen, Zitrus pressen, Eis vorbereiten, Garnituren schneiden, Stationen bestücken, Gläser polieren. Diese Arbeit sieht niemand, und sie entscheidet darüber, ob der Abend funktioniert.

Putzen gehört dazu, und zwar viel. Nach Feierabend wird der ganze Bereich zerlegt und gereinigt. Wer das für nebensächlich hält, ist im falschen Beruf – ein großer Teil dessen, was in unserem Pflege-Guide für die Heimbar steht, ist im Betrieb tägliche Pflicht.

Es ist körperliche Arbeit. Acht bis zwölf Stunden stehen, Kisten schleppen, Eis heben, die Hände dauernd kalt und nass.

Die Arbeitszeit ist die eigentliche Hürde. Man arbeitet abends, nachts, an Wochenenden und an Feiertagen – also genau dann, wenn alle anderen frei haben. Das ist der Punkt, an dem die meisten den Beruf irgendwann verlassen: nicht wegen der Arbeit, sondern wegen des Lebensrhythmus.

Das Einkommen ist am Anfang niedrig. Trinkgeld gleicht einiges aus, schwankt aber und ist keine planbare Größe.

Die Fähigkeiten, die zählen

Bemerkenswert ist, wie wenig davon mit Rezepten zu tun hat.

Tempo und Ordnung. An einem vollen Abend zählt, wie viele gute Drinks pro Stunde entstehen. Das erreicht man nicht durch Hektik, sondern durch geordnete Abläufe und eine aufgeräumte Station.

Gedächtnis. Fünf Bestellungen gleichzeitig im Kopf behalten, während drei Leute reden.

Gastgeberqualität. Der eigentliche Kern des Berufs. Menschen kommen selten nur wegen des Drinks; sie kommen wegen des Abends. Was das von der Gästeseite bedeutet, haben wir im Artikel zur Bar-Etikette beschrieben – die Perspektive dahinter ist dieselbe.

Umgang mit schwierigen Situationen. Betrunkene Gäste, Beschwerden, Streit, jemandem den Ausschank verweigern. Das gehört zum Job und ist der Teil, auf den kein Kurs vorbereitet.

Kaufmännisches Verständnis. Wer weiterkommen will, muss Einkaufspreise, Kalkulation und Warenwirtschaft verstehen. Eine Karte ist auch eine Rechnung.

Wohin es führen kann

Der Beruf ist keine Sackgasse, im Gegenteil – die Entwicklungsmöglichkeiten sind breiter, als viele annehmen:

Barchef oder Beverage Manager mit Verantwortung für Karte, Einkauf und Team.

Brand Ambassador bei einer Spirituosenmarke – Schulungen, Messen, Veranstaltungen. Ein Weg, der zu regelmäßigeren Arbeitszeiten führt.

Beratung und Konzeption für neue Betriebe.

Die eigene Bar. Der Traum vieler, und gleichzeitig der Punkt, an dem aus einem Handwerksberuf ein unternehmerisches Risiko wird.

Wettbewerbe sind der schnellste Weg zu Sichtbarkeit. Wer national auffällt, bekommt Angebote.

Und ein Weg, der oft übersehen wird: Viele in der Branche schreiben, fotografieren oder schulen inzwischen mehr, als sie mixen.

Wenn du es ausprobieren willst

Drei konkrete Schritte:

Arbeite ein paar Schichten mit. Frag in einer Bar, die du gut findest, ob du an einem Abend als Aushilfe mitlaufen darfst. Ein Samstagabend hinter dem Tresen sagt mehr als jede Recherche.

Lern das Vokabular. Wer die Begriffe kennt, ist am ersten Tag deutlich weniger verloren – dabei hilft unser Barglossar.

Sei ehrlich zur Arbeitszeit. Frag dich nicht, ob du den Job magst. Frag dich, ob du drei Jahre lang um vier Uhr morgens nach Hause gehen willst, während deine Freunde geschlafen haben.

Fazit

Bartender ist ein Handwerk mit einer Gastgeberrolle obendrauf – anspruchsvoll, körperlich, sozial fordernd und mit einem Rhythmus, der gegen den Rest der Welt läuft.

Wer das weiß und trotzdem will, findet einen der wenigen Berufe, in denen man am Ende jeder Schicht genau weiß, ob man gut war.

Genuss mit Verantwortung. Alkoholabgabe und -konsum ab 18 Jahren.

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